Warum dieses Projekt?

Projektziele

Das Projekt zielt darauf ab, innovative, energieeffiziente und nachhaltige Sanierungs- und Dämmsysteme zu erforschen, die den spezifischen Anforderungen von Fachwerkgebäuden gerecht werden und die historische Substanz bewahren. Es soll praxisnahe Lösungen für den klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 bieten, indem traditionelle Techniken mit moderner Forschung und Technologie kombiniert werden.

Energetisch ineffizient

Viele Fachwerkhäuser sind energetisch ineffizient, was zu hohen Heizkosten und Energieverlusten führt. Eine Wärmedämmung von Fachwerk-Außenwänden ist aufgrund der bauphysikalischen Problemstellung anspruchsvoll anzuordnen. Zu berücksichtigen ist daher die Materialwahl, die Materialdicke sowie die Verarbeitung, um die historische Bausubstanz nicht zu schädigen oder das Raumklima negativ zu beeinflussen.

Verfall historischer Substanz

Fachwerkhäuser sind ein wertvolles Kulturerbe, doch unüberlegte Sanierungsmethoden können ihre authentische Optik und Konstruktion zerstören. Mit wissenschaftlich fundierten Lösungen, die technisch und praxisnah umgesetzt werden können, kann dieser Gefahr begegnet werden.

Fehlende praxiserprobte Lösung für neue Dämmstoff-Entwicklungen

Innendämmsysteme für Fachwerkgebäude basieren zumeist auf alten Untersuchungsergebnissen und individueller Experimentierfreudigkeit. Energieeffiziente und ressourcenschonende Systeme, die heute verfügbar sind bzw. aktuell in Entwicklung sind, sind kaum standardisiert untersucht. Eine Prüfung auf bauphysikalische Eignung, Langzeitwirkung und Verträglichkeit ist vorzunehmen.

Unsere Kernziele

Ziel ist es, die Energieeffizienz von Fachwerkgebäuden zu erhöhen und dabei nachhaltige Materialien und Techniken einzusetzen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Untersuchung hocheffizienter und ressourcenschonender Dämmsysteme, die den spezifischen Anforderungen der Sichtfachwerkbauten genügen, ohne die historische Bausubstanz zu beeinträchtigen. Dazu werden neue Ansätze für die Fugen zwischen Holz und Gefachen entwickelt, da diese oft Schwachstellen in Bezug auf Feuchtigkeit und Witterungsschutz darstellen.

Fachwerkgebäude sind kulturell bedeutsam. Das Projekt trägt dazu bei, diese Bauten für zukünftige Generationen zu erhalten, ihre Attraktivität zu steigern und ihre Nutzung durch Reduktion der Betriebskosten und Verbesserung der Energieeffizienz weiterhin attraktiv zu gestalten.

Im Rahmen des Projektes wird die Dauerhaftigkeit verschiedener Sanierungsmethoden und Baustoffe, die an den im Freilichtmuseum Hessenpark durchgeführten Versuchsbauten aus den 1980er und 1990er Jahren, untersucht. Ziel ist es, die bisherigen bauphysikalischen Grenzwerte und Regelwerke zu evaluieren und bei Bedarf zu aktualisieren. Dabei werden die Materialien hinsichtlich ihrer Eignung, Schadensanfälligkeit und damit ihrer Dauerhaftigkeit bewertet.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung und Weiterentwicklung von Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Holz und Stroh, und Baustoffen mit geringem Herstellungsenergieverbrauch wie Lehm, sowie der Förderung einer Kreislaufwirtschaft. Ziel ist es, Materialien einzusetzen, die eine positive Gesamtenergiebilanz aufweisen und nach ihrer Nutzungsphase wiederverwendet oder recycelt werden können.

Zusätzlich zur baulichen Sanierung der Fachwerk-Außenwand sind nachhaltige Effizienzkonzepte für das Gesamtgebäude zu betrachten. Dabei spielen auch der Einsatz erneuerbare Energien sowie energieeffiziente Technologien eine wichtige Rolle, die auch für denkmalgeschützte Gebäude geeignet sind.

Eine wichtige Rolle spielt die exakte 3D-Erfassung der Versuchsgebäude, um präzise digitale Modelle zu erstellen. Diese Modelle dienen als Grundlage für Simulationen des Raumklimas, der hygrothermischen Eigenschaften und der Energieeffizienz. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung innovativer Sanierungskonzepte ein, die durch moderne Simulationstools wie DELPHIN, IDA/ICE unterstützt werden.

Neben der Betrachtung einzelner Gebäude wird auch der Kontext ganzer Quartiere einbezogen. Fachwerkstädte und -dörfer haben nicht selten spezifische Besonderheiten im Ortsbild mit z.B. beengten Gebäude- und Straßensituationen. Auch auf Seiten der Nutzenden (Eigentum, Mietende etc.) gilt es Besonderheiten zu berücksichtigen. Daher wird untersucht, wie die Nutzenden sowie alle weiteren Beteiligten von Fachwerk-Quartieren motiviert werden können, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die sowohl die baukulturelle Identität wahrt als auch die Energieeffizienz gesamter Quartiere verbessert.

Die entwickelten Erkenntnisse, Methoden und Technologien werden Fachpersonen zugänglich gemacht. Dazu besteht ein enger Kontakt zu maßgebenden Fach-Gremien der Fachwerk-Instandsetzung. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse auch Laien verständlich gemacht werden. Ziel ist es, über Ausstellungstafeln und weiteren Vermittlungsformaten einen breiten Kreis von Anwendenden und Interessierten zu erreichen. Dabei sollen innovative Sanierungslösungen für Fachwerkgebäude nicht nur untersucht, sondern auch verständlich vermittelt und in die Praxis überführt werden.